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Bergakademie

Von den Grundlagen bis zur Hochtour: worauf es ankommt, wie man sich in heiklen Situationen verhält, wie die wichtigsten Knoten gehen und welche Ausrüstung man wofür braucht.

Notfall am BergNotrufnummern, Notruf absetzen, Erste Schritte
140Alpinnotruf Bergrettung (Österreich)
112Euro-Notruf, funktioniert in jedem Netz
144Rettung (Österreich)

So setzt du einen Notruf ab

  1. Wo? Standort, Berg, Weg, markante Punkte. In der App zeigt der Standort-Knopf deine Koordinaten.
  2. Was? Was ist passiert, wie viele Verletzte, welche Verletzungen?
  3. Wer? Name und Rückrufnummer – danach das Handy eingeschaltet und frei lassen.
  4. Wetter und Sicht am Ort (wichtig für den Hubschrauber).

Alpines Notsignal ohne Empfang: 6 Zeichen pro Minute (Rufen, Pfeifen, Licht), dann 1 Minute Pause, wiederholen. Antwort der Helfer: 3 Zeichen pro Minute.

Hubschrauber einweisen: beide Arme schräg nach oben (Y = „Yes, wir brauchen Hilfe“). Ein Arm oben, einer unten (N) heißt „No, keine Hilfe nötig“.

Erste Schritte bei einem Unfall

  • Eigene Sicherheit zuerst – nicht selbst in Absturz- oder Steinschlaggefahr begeben.
  • Verletzte vor Kälte schützen: Rettungsdecke, isolierende Unterlage, trockene Kleidung. Unterkühlung ist am Berg die häufigste Folgegefahr.
  • Nicht allein lassen, wenn es irgendwie geht. Bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage, Atmung prüfen.
TourenplanungZeit, Wetter, Umkehrzeit – die wichtigsten Punkte vor dem Start

Die meisten Bergunfälle beim Wandern sind Stürze, Herz-Kreislauf-Probleme und Erschöpfung – fast alle hängen mit Planung zusammen.

  • Tour passend zum schwächsten Mitglied wählen: Länge, Höhenmeter und Schwierigkeit (siehe „Schwierigkeitsgrade“).
  • Zeit realistisch rechnen: Faustregel 4 km/h und 300 Hm/h bergauf, 500 Hm/h bergab – plus Pausen. Die Navigation in der App zeigt Ankunftszeit und Sonnenuntergang.
  • Mehrtägig? Hütten früh reservieren – viele Alpenvereinshütten sind im Sommer Wochen vorher voll. Der Routenplaner zeigt Hütten an der Route mit Buchungslink.
  • Wetter am Vortag und am Morgen prüfen, im Sommer besonders die Gewitterneigung am Nachmittag – früh starten.
  • Umkehrzeit festlegen und einhalten. Umkehren ist keine Niederlage.
  • Jemandem sagen, wohin ihr geht und wann ihr zurück seid.
  • Handy geladen, Powerbank, Route mit „Download für offline“ aufs Handy laden.
Gehtechnik und TrittsicherheitBergauf, bergab, Geröll und Nässe
  • Bergauf: kleine Schritte, gleichmäßiges Tempo, bei dem du noch reden kannst. Ganze Sohle aufsetzen.
  • Bergab: Knie leicht gebeugt, Gewicht über den Füßen, nicht nach hinten lehnen. Stöcke entlasten die Knie deutlich.
  • Geröll und Nässe: auf Steine treten, die fest liegen; nasse Wurzeln und glatte Platten meiden.
  • Seilversicherte Stellen: Seil als Handlauf nutzen, die Füße tragen das Gewicht.
Knoten und KnöpfeDie wichtigsten Knoten Schritt für Schritt – mit Videos

Knoten lernt man nur durch Üben: zuhause mit einem Stück Seil, bis es blind geht. Für den Ernstfall (Sichern, Abseilen, Spaltenbergung) gehört ein Kurs dazu – ein falsch geknüpfter Knoten hält nicht.

Grundregeln: Knoten immer sauber legen (Stränge parallel, nicht verdreht), fest zuziehen – jeden Strang einzeln – und das Restende mindestens faustbreit (ca. 10 cm) lassen. Vor jedem Start: Partnercheck.

Achterknoten (gesteckt) – zum Anseilen

Verbindet Seil und Klettergurt. Der Standard-Anseilknoten beim Klettern und am Gletscher.

  1. Vom Seilende etwa eine Armspanne (ca. 1 m) abmessen.
  2. Dort einen einfachen Achter knüpfen: Schlaufe legen, das Ende einmal hinter dem Seil herum und von vorne durch die Schlaufe – er sieht aus wie eine 8.
  3. Das Ende durch beide Anseilpunkte des Gurtes führen (oben Hüftgurt, unten Beinschlaufen-Steg) – so wie der Hersteller es vorgibt.
  4. Das Ende dem Achter rückwärts parallel folgen („nachstecken“), bis jeder Strang doppelt und ohne Überkreuzung liegt.
  5. Schlaufe faustgroß lassen, alle vier Stränge einzeln festziehen, Restende mindestens 10 cm.
▶Achterknoten | 12 Knoten für die Berge #2Österreichischer Alpenverein · YouTube

Sackstich

Schnelle Schlaufe in Seil oder Schlinge, z. B. zum Abbinden einer Bandschlinge oder als Bremsknoten im Gletscherseil.

  1. Seil an der gewünschten Stelle doppelt nehmen (Bucht legen).
  2. Mit der Doppelung einen einfachen Überhandknoten machen und die Bucht durchziehen.
  3. Fest zuziehen, die Stränge dabei parallel halten.
▶Der Sackstich | 12 Knoten für die Berge #1Österreichischer Alpenverein · YouTube

Mastwurf

Selbstsicherung am Standplatz: hält fest im Karabiner, lässt sich aber in der Länge nachstellen.

  1. Zwei gleichsinnige Schlingen ins Seil legen (beide Male das Seil in dieselbe Richtung drehen).
  2. Die rechte Schlinge hinter die linke schieben – sie liegen jetzt übereinander.
  3. Beide Schlingen zusammen in den Schraubkarabiner einhängen, zuschrauben, festziehen.
  4. Länge verstellen: Knoten etwas lockern und das Seil durchschieben.
▶Mastwurf | 12 Knoten für die Berge #8Österreichischer Alpenverein · YouTube

Halbmastwurf (HMS)

Sichern und Abseilen ohne Sicherungsgerät – nur mit einem birnenförmigen HMS-Karabiner. Wichtige Notfall-Technik.

  1. Zwei Schlingen legen wie beim Mastwurf.
  2. Die Schlingen wie zwei Buchseiten zusammenklappen (nicht hintereinanderschieben – sonst wird es ein Mastwurf).
  3. In den HMS-Karabiner einhängen und zuschrauben.
  4. Probe: Der Knoten muss beim Ziehen am Bremsseil „umschlagen“ und das Seil bremsen. Die Bremshand verlässt das Bremsseil nie.

Prusikknoten

Klemmknoten aus Reepschnur: rutscht unbelastet, hält unter Last. Für Spaltenbergung, Seilaufstieg und als Hintersicherung beim Abseilen.

  1. Eine Reepschnur (5–6 mm) zum Ring verbunden (doppelter Spierenstich) bereitlegen.
  2. Den Ring hinter das Seil legen und ein Ende durch das andere führen.
  3. Das wiederholen, bis die Schnur dreimal um das Seil gewickelt ist – ordentlich nebeneinander, nicht überkreuzt.
  4. Wicklungen glattziehen, Belastungsprobe: muss bei Zug fest klemmen. Bei dünnem oder nassem Seil eine Wicklung mehr.
▶Prusikknoten | 12 Knoten für die Berge #5Österreichischer Alpenverein · YouTube

Ankerstich

Bandschlinge an Gurt, Baum oder Felsköpfel befestigen.

  1. Schlinge um den Gegenstand (oder durch die Anseilpunkte) legen.
  2. Das eine Ende durch das andere durchfädeln und festziehen.
  3. Nicht als Verbindung zweier Schlingen über scharfe Kanten belasten.
▶Ankerstich | 12 Knoten für die Berge #9Österreichischer Alpenverein · YouTube

Doppelter Spierenstich

Verbindet zwei Seil- oder Schnurenden – z. B. Reepschnur zum Prusik-Ring.

  1. Beide Enden gegenläufig nebeneinander legen (ca. 30 cm überlappend).
  2. Mit dem ersten Ende zweimal um das andere Seil wickeln und durch beide Wicklungen zurückstecken.
  3. Mit dem zweiten Ende genauso – spiegelverkehrt – um das erste Seil.
  4. Beide Knoten festziehen, dann aneinanderschieben. Enden mindestens 3–4 cm.
▶Spierenstich | 12 Knoten für die Berge #10Österreichischer Alpenverein · YouTube

Bandschlingenknoten (Wasserknoten)

Verbindet zwei Enden von Flachband zur Schlinge. Nicht für dünnes Dyneema-Band – das rutscht; dort genähte Schlingen kaufen.

  1. In ein Bandende einen lockeren Sackstich (Überhandknoten) machen.
  2. Das andere Ende von der Gegenseite genau dem Verlauf folgen – das Band liegt flach, nicht verdreht.
  3. Fest zuziehen, Enden mindestens 7–8 cm. Vor jeder Tour kontrollieren – der Knoten kann sich lockern.
▶Anleitung: Der BandschlingenknotenMountainPirate · YouTube

Partnercheck

Vor jedem Einstieg gegenseitig prüfen – die meisten Kletterunfälle passieren durch einfache Fehler.

  1. Gurt: richtig angezogen, Schnallen geschlossen, nichts verdreht.
  2. Anseilknoten: durch beide Anseilpunkte, sauber gesteckt, fest, Restende lang genug.
  3. Sicherung: Gerät richtig eingelegt, Karabiner zugeschraubt, Bremsseil auf der richtigen Seite.
  4. Seilende abgeknotet, Kommandos abgesprochen.
Gewitter am BergWas tun, wenn ein Gewitter naht

Sommergewitter entstehen oft am frühen Nachmittag. Bei Gewitterneigung früh starten und rechtzeitig unten sein.

Wenn ein Gewitter naht

  • Gipfel, Grate, Kämme und einzelne Bäume sofort verlassen.
  • Abstand zu Drahtseilen und Metall – am Klettersteig das Seil verlassen, sobald es sicher geht.
  • In eine Mulde oder Senke gehen, Kauerstellung mit geschlossenen Füßen, möglichst auf einer isolierenden Unterlage.
  • Nicht an Felswände lehnen, nicht in Höhleneingängen stehen. In der Gruppe einige Meter Abstand halten.
  • Faustregel: Weniger als 10 Sekunden zwischen Blitz und Donner – das Gewitter ist nah.
Orientierung, Nebel und VerirrenMarkierungen lesen, richtig reagieren
  • Markierungen: In Österreich zeigen rot-weiß-rote Markierungen den Weg; die Wegnummer steht oft dabei. Blau = leicht, rot = mittel, schwarz = schwierig.
  • Bei Nebel: langsamer gehen, von Markierung zu Markierung. Wenn keine mehr zu sehen ist: stehen bleiben, nicht querfeldein „abkürzen“.
  • Verirrt? Zurück zum letzten sicheren Punkt. In der App zeigt „Jetzt navigieren“, wie weit du von der Route weg bist – auch ohne Netz, wenn die Route heruntergeladen ist.
  • Nie in unbekanntes, steiles Gelände absteigen, um schneller ins Tal zu kommen – viele Abstürze passieren genau so.
Schwierigkeitsgrade verstehenWanderskala T1–T6 und Klettersteig A–F

Wanderskala (SAC) – so stehen sie in der App

T1Wandern. Gut gebahnte Wege, Turnschuhe reichen meist.
T2Bergwandern. Durchgehender Weg, teils steil. Trittsicherheit von Vorteil, Wanderschuhe.
T3Anspruchsvolles Bergwandern. Ausgesetzte Stellen, evtl. Seile oder Ketten. Trittsicherheit nötig, gute Bergschuhe.
T4Alpinwandern. Wegspur nicht immer vorhanden, Hände nötig. Schwindelfreiheit, alpine Erfahrung.
T5–6Anspruchsvolles bis schwieriges Alpinwandern. Oft weglos, Kletterstellen bis II, Gletscher möglich. Nur mit viel Erfahrung.

Klettersteigskala (A–F)

ALeicht. Seile, Klammern, kaum steil – auch für Einsteiger mit Set.
BMittel. Steiler, Leitern und Trittbügel, etwas Armkraft.
CSchwierig. Steil bis senkrecht, längere Kraftstellen. Erfahrung nötig.
D–FSehr schwierig bis extrem. Senkrecht bis überhängend – nur für Geübte mit viel Kraft.
Klettersteig – sicher unterwegsUmhängen, Abstände, Steinschlag
  • Ausrüstung: Klettersteigset nach EN 958:2017, Klettergurt, Helm, Handschuhe (Details unter „Equipment“). Das Set passt meist für 40–120 kg Körpergewicht samt Gepäck – Kinder und leichte Personen brauchen eine zusätzliche Seilsicherung.
  • Immer beide Karabiner im Seil, beim Umhängen an Verankerungen nacheinander umhängen.
  • Ein Seilabschnitt = eine Person. Zwischen zwei Verankerungen nur einer – sonst reißt ein Sturz den anderen mit.
  • Sets regelmäßig prüfen und nach einem Sturz austauschen. Rückrufe der Hersteller beachten; textile Teile altern (Herstellerangaben zur Lebensdauer).
  • Steinschlag: Helm auf, nicht unter anderen Gruppen warten, selbst nichts lostreten.
  • Ein Klettersteig ist kein Wanderweg mit Seil: Rückzug ist oft nur nach oben möglich. Notausstiege vorher kennen.
Hochtouren und GletscherSeilschaft, Spaltenbergung, Steigeisen

Großglockner, Großvenediger, Wildspitze oder Mont Blanc sind Hochtouren – mit Gletscher, Steigeisen und Seil. Die App markiert solche Routen als „hochalpin“.

  • Nie allein und nie ohne Seil auf den Gletscher. Spalten sind oft unter Schnee versteckt.
  • Spaltenbergung muss jede Person der Seilschaft beherrschen – das lernt man in einem Kurs (z. B. beim Alpenverein), nicht aus Videos allein.
  • Für die ersten Hochtouren: mit Bergführer oder geführter Gruppe. Eine Hütten-Übernachtung bringt euch früh auf den Gletscher (fester Schnee am Morgen) – im Routenplaner „Mehrtägig mit Hütte“ wählen.
  • Steigeisen und Pickel vorher auf einfachem Gelände üben – Steigeisen müssen zu den Schuhen passen.
Höhe und HöhenkrankheitSymptome erkennen, richtig reagieren
  • Ab etwa 2.500 m können Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Schlafstörungen und Leistungsabfall auftreten – auch bei Fitten.
  • Mit Symptomen nicht weiter aufsteigen. Werden sie schlimmer: absteigen – das ist die wirksamste Hilfe.
  • Lebensgefährlich sind Höhenlungenödem (Atemnot in Ruhe, Husten) und Höhenhirnödem (Verwirrtheit, Gangunsicherheit) – sofort absteigen und Hilfe rufen.
  • Langsam akklimatisieren: eine Nacht auf einer Hütte vor dem Gipfeltag hilft. Viel trinken.